Weggespült
Irgendwo in Hessen an einem viel frequentiertem Bahnhof. Der Zug fährt ein, das Wetter ist sehr drückend warm, die Luft steht und ist eklig. Um einen herum wuseln die üblichen Pendleridioten herum und man freut sich zunehmendst auf die Heimat. Oder viel mehr auf die Stadt, in der die Wohnung steht. Gestern sagte eine Freundin zu mir, es wäre cool, dass ich so flexibel und ungebunden bin, was meinen Heimatort angeht. Das erkaufe ich mir allerdings mit dem fehlenden Gefühl, irgendwo in letzter Instanz zu Hause zu sein. Klar, man ist dort zu Hause, wo man sich wohl fühlt. Aber es gibt immer noch diese übergeordnete Ebene „Elternhaus“. Da ich mich davon recht früh abgekapselt habe… aber das soll hier nicht weiter thematisiert werden.
In der momentanen Heimatstadt angekommen ändert sich das Wetter schlagartig. Die Wolken ziehen sich zu, es wird auf einmal dunkel und grau und der Himmel öffnet sich quasi. Es fängt an zu regnen, fast schon zu stürmen. Für einen Moment lang stelle ich mich unter ein Vordach, um nicht durchnässt zu werden. Ein Blick auf den Boden eröffnet mir ein traumhaftes Bild. Es regnet so stark, dass sich die Innenstadt in eine überdimensionale Pfütze verwandelt hat, von der die Regentropfen abprallen und nochmal hochgeschleudert werden, nachdem sie den Boden berühren. Zusätzlich weht ein starker Wind, der das ganze in Bewegung setzt und ich eine flüssige Symphonie aus Stein und Wasser verwandelt und damit einen Kontrast, ja sogar einen Protest gegen die elende Hitze darstellt. Es vergehen nur wenige Sekunden, bis sich in meinem Kopf der Gedanke „Fuck off, wann bin ich das letzte Mal durch den Regen gelaufen?“ manifestiert.
Mit dem Gefühl selbst etwas weggespült zu werden laufe ich in Richtung zu Hause und komme dort zwar nass, aber glücklich an.
Kleiner musikalischer Beitrag: The Beatles – Rain