Tagebuch eines Reisenden
Es ist mal wieder Zeit für Berlin! Ich wäre dieses Wochenende ohnehin hier her gefahren. Durch glückliche Umstände wurde auf den Donnerstag eine Dienstreise hier her gesetzt, so dass sich meine Reisekosten auf 0,00 EUR beschränken. Wird also – verhältnismäßig – ein billiger Tripp an die Spree, wo ich meinen Kumpel besuche und wieder diese tolle Atmosphäre in mich aufsauge, die diese Stadt stets für mich parat hält.
Gestern war mein erster Besuch in Kreuzberg angesagt. Wir haben uns einen schwedischen Film in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln angeschaut. „Populärmusik aus Vittula“, eine ganz schräge Geschichte. Zwei 8 jährige Jungs, die miteinander rumknutschen, eine fette Dänin, die einen 12 jährigen Jungen zum Beischlaf „überredet“… der übliche Wahnsinn eben. Das Ganze bei einem ekligen Bier, einer halben Schachtel Marlboro Menthol, einem Liegestuhl und ca. 50 Berlinern, die sich mit mir zusammen den Arsch abgelacht haben. Natürlich war der Film nur halb so wild, wie ich ihn (zugegebenermaßen ziemlich überspitzt) dargestellt habe. Ich würde niemals über zwei knutschende 8-Jährige lachen. Wirklich nicht!
Traumhaft genial war er jedenfalls. Nicht hochglanzproduziert und durch die Originalsprache authentisch und außergewöhnlich. Danach ging es noch in den Blaumilchkanal im Prenzl Berg. Dort hab ich ein koffeinhaltiges Getränk namens „Club Mate“ getrunken, da sie keinen Eistee hatten. Das Zeug war fürchterlich. Aber immerhin habe ich für meinen unglaublich unrasierten und chaotischen Bart ein Kompliment einer Dame bekommen. Allerdings war sie leider sehr hässlich, was dazu führte, dass ich mit einem „Danke, sehr nett.“ das Gespräch beendete.
Heute Abend geht es tanzen, meine Damen und Herren. Das Rosis wartet wieder auf mich!
P.S. Heute morgen durfte ich natürlich im Regen durch den Prenzlberg latschen, um zur Haltestelle zu kommen. Folgendes Lied hat mich dabei begleitet:
Schieflage: Sichtweise!
Kennt ihr das? Wenn die Welt aus den Augen eines Anderen so komplett unterschiedlich aussieht? Wenn man sich auf einmal so dumm und engstirnig fühlt, weil man mal wieder nicht über den Tellerrand geschaut hat? Hierzu ein genialer Kurzfilm!
Weggespült
Irgendwo in Hessen an einem viel frequentiertem Bahnhof. Der Zug fährt ein, das Wetter ist sehr drückend warm, die Luft steht und ist eklig. Um einen herum wuseln die üblichen Pendleridioten herum und man freut sich zunehmendst auf die Heimat. Oder viel mehr auf die Stadt, in der die Wohnung steht. Gestern sagte eine Freundin zu mir, es wäre cool, dass ich so flexibel und ungebunden bin, was meinen Heimatort angeht. Das erkaufe ich mir allerdings mit dem fehlenden Gefühl, irgendwo in letzter Instanz zu Hause zu sein. Klar, man ist dort zu Hause, wo man sich wohl fühlt. Aber es gibt immer noch diese übergeordnete Ebene „Elternhaus“. Da ich mich davon recht früh abgekapselt habe… aber das soll hier nicht weiter thematisiert werden.
In der momentanen Heimatstadt angekommen ändert sich das Wetter schlagartig. Die Wolken ziehen sich zu, es wird auf einmal dunkel und grau und der Himmel öffnet sich quasi. Es fängt an zu regnen, fast schon zu stürmen. Für einen Moment lang stelle ich mich unter ein Vordach, um nicht durchnässt zu werden. Ein Blick auf den Boden eröffnet mir ein traumhaftes Bild. Es regnet so stark, dass sich die Innenstadt in eine überdimensionale Pfütze verwandelt hat, von der die Regentropfen abprallen und nochmal hochgeschleudert werden, nachdem sie den Boden berühren. Zusätzlich weht ein starker Wind, der das ganze in Bewegung setzt und ich eine flüssige Symphonie aus Stein und Wasser verwandelt und damit einen Kontrast, ja sogar einen Protest gegen die elende Hitze darstellt. Es vergehen nur wenige Sekunden, bis sich in meinem Kopf der Gedanke „Fuck off, wann bin ich das letzte Mal durch den Regen gelaufen?“ manifestiert.
Mit dem Gefühl selbst etwas weggespült zu werden laufe ich in Richtung zu Hause und komme dort zwar nass, aber glücklich an.
Kleiner musikalischer Beitrag: The Beatles – Rain