Schiefer Morgen

März 20, 2008 at 11:59 (Nicht kategorisiert)

Normalerweise sieht mein Aufstehritual unter der Woche so aus: Der Wecker klingelt und ich stelle ihn eine viertel Stunde später. Der Wecker klingelt wieder, ich weiß, dass ich jetzt aufstehen sollte, aber ich stelle ihn zehn Minuten später. Der Wecker klingelt ein drittes Mal und ich bekomme Panik. Ich stehe also hektisch auf, ziehe mich an und renne ins Bad, um die morgendliche Hygiene aufzufrischen. Je nach dem, ob ich daheim schlafe oder nicht bin ich entweder extrem laut und fluche oder ich versuche das Ganze etwas leiser anzugehen, um den Drachen nicht zu wecken und meinen Tag mit einer ordentlichen Standpauke zu beginnen. In diesem Fall ähneln meine Bewegungen auch eher dem „schleichenden Rennen“, was mir schon den einen oder anderen Wadenkrampf beschert hat. Nach einem kurzen Check, ob ich alle für den Arbeitstag nötigen Utensilien bei mir habe gibt es den obligatorischen Abschiedskuss – einen schlafenden Drachen zu küssen in der Hoffnung ihn nicht zu wecken, ist wirklich spannend! – und dann den Spurt zum Bahnhof. Für alle Schlaumaier dort draußen: Nein, ich kann den Kuss nicht weglassen und damit das Risiko sie zu wecken minimieren. Lasse ich diesen Kuss nämlich weg, bekomme ich eine SMS oder ähnliches, in dem genau dies moniert wird. Es bleibt also auch weiterhin spannend, zumindest zunächst.

Der heutige Morgen sah hingegen ganz anders aus. Mein Wecker klingelte erst gar nicht, denn sie ist vor mir aufgewacht. Sie stand auf, ging ins Bad und kam kurze Zeit später wieder in das Zimmer zurück. Erwartet hatte ich, dass sie sich wieder ins Bett legt und ich die letzten 20 weckerfreien Minuten noch mal schlummern kann. Stattdessen ging sie ans Fenster, öffnete es, machte den Rollladen hoch und setzte sich auf die dort stehende Couch, um eine zu rauchen. Ich richtete mich auf. Etwas war anders… alles war anders. Dieser ganze Morgen lief nicht so ab, wie jeder Morgen bisher ablief. Ich fragte sie, ob alles in Ordnung sei und sie antwortete mir erwartungsgemäß, dass sie schlecht geschlafen habe und auch ganz komisch aufgewacht sei.

Es ist schon ein verdammt seltsames Gefühl, wenn auf einmal gewohnte Dinge ohne eigenen Einfluss komplett anders ablaufen. Vielleicht kann das hier keiner nachvollziehen, aber eine Stunde lang wach zu sein, bevor ich fluchtartig das Haus verlasse, mich mit ihr etwas zu unterhalten, ein wenig Zuwendung zu bekommen und schlussendlich ganz entspannt und ohne Zeitdruck alle Vorbereitungen treffen zu können und das auch noch ohne übermäßig auf den Lärmpegel achten zu können, hat mich wirklich aus dem Gleichgewicht gebracht. Und mir gezeigt: Es werden immer wieder Dinge passieren, die alles ändern werden und man selbst nichts dagegen tun kann.

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